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Kunstkritiken und das europäische Kunstmuseum Dänemark!

my heavenly excursions
we carry the world
Betty's still waiting for Gerhard

Das Bild "my heavenly excursions" wurde vom dänischen Direktor und Kurator des European Art Museum Leif Nielsen stellvertretend für die zeitgenössische Kunst aus der Schweiz in das European Art Museum Dänemark ausgesucht.

Beschrieb: Das Bild zeigt die Sehnsucht der Nähe zu einem geliebten verstorbenen Menschen. Ein Mädchen geht auf einer Telefonleitung, voll mit Vögeln zwischen Himmel und Erde. Sie kommuniziert mit den Vögeln und ist in Interaktion mit den Verstorbenen. Sie ist Teil des grossen Geheimnisses des Universums.  

Material: 40x50cm / 2016 / Acryl-Collage auf Photo einer Zeitung mit einem Interview eines Mediums auf der Rückseite.

 

 

PRO BIENNALE VENEDIG (08.05. bis 30. 05. 2016) / Art Kritik

Pro Biennale

Einweihung anlässlich der Geburtstagsfeier von Prof. Vittorio Sgarbi

Vom 8. bis 30. Mai 2016

Die kreative Leistung von Astrid Bänziger folgt einem roten Faden, welcher ihr Schaffen charakterisiert und kennzeichnet, die Tiefe ihrer künstlerischen Nachforschungen verstärkt und die Ausdruckskraft der Autorin unterstreicht.

In ihrer Malerei übernimmt die bildende Kunst den Aspekt einer Linse, welche auf die Reale eingestellt und fokussiert ist, auf die alltägliche Dimension der Wirklichkeit, die mit einfallsreicher subjektiver Neuauslegung (Nacherzählung) und vielseitiger Interpretation auf die Bilder übertragen werden,

entsprungen aus der lebhaften und dynamischen Wesensart der Künstlerin und einem wundervollen Gemütszustand als der einer ewiger Träumerin.

Im Geist des Betrachters öffnen und artikulieren sich verschiedene Lesarten, parallele Wahrnehmungen werden gegenübergestellt, man versteht die tragenden Gefühle und Werte welche als Basis für die kreativen Taten der Astrid Bänziger stehen; den Sinn des Seins und des Lebens, zum leidenschaftlichen Willen ihre künstlerischen Entscheidungen zu teilen.

Ihre Malerei wird von einer unerschöpflichen Phantasie und einem starken intuitiven Gefühl getragen, woraus Sie immer wieder innovative aber sich nie wiederholende Anregungen schöpft. 

Venedig im Mai 2016 Elena Gollini, Kunstkuratorin und Journalistin

 

57. KUNST BIENNALE VENEDIG IM PALAZZO ALBRIZZI CAPELLO

Ukiyo-e ist eine Art japanischer Kunstdruck auf Papier, der in Japan zwischen dem siebzehnten und zwanzigsten Jahrhundert seine Blütezeit hatte. Baenzigers Bezug darauf ist eindeutig, sowohl was die Wahl der Collagetechnik als auch was Papier und die Auswahl der Motive auf Leinwand betrifft.

Zwei weitere Merkmale dieser Kunst sind die Asymmetrie der Komposition und die Zweidimensionalität: Beides sind grafische Elemente, die in "Betty's still waiting for Gerhard" (Betty wartet immer noch auf Gerhard...) schön zur Geltung gebracht werden.

Ihre künstlerische und poetische Entwicklung ist geprägt von Experimentalismus in Technik und Material. Ukiyo-e bedeutet "schwebende Welt": Was die Künstlerin versucht zu erschaffen, ist eigentlich eine fantastische Welt.

Das Kunstwerk zeichnet sich durch einen Hintergrund aus hellen Farbtönen und Wandmalerei aus. Auf der linken Seite ist eine Krähe im Begriff zu krähen, aber sie scheint in der Mitte der kleinen Leinwand eingeschlossen zu sein.

In der rechten unteren Ecke zeigt die Künstlerin den Torso einer weiblichen Figur vor der schwarzen Krähe. Bettys Exterieur und Interieur.

Der Vogel befindet sich offensichtlich in einem labilen Zustand; unbeweglich mit offenem Schnabel, im Akt des Ergreifens eines rautenförmigen Klumpens aus Gold. Er ist die Symbolik der inneren Betty, die nervös auf Gerhard wartet, während sie in einem goldenen Zustand lebt, bereits alles hat, um ihr tägliches Leben und ihre Existenz zu kontrollieren.

Die Krähe dominiert das Zentrum der Komposition, sie ist dargestellt mit leicht geöffneten Flügeln, definiert durch graue und schwarze Pinselstriche, sehr zart und fast transparent. Die Beine scheinen wie angehängt zu sein. Ihr Schatten schmilzt auf der Leinwand und tropft herunter.

Auf der rechten Seite der Komposition dominieren Bänder, die an japanische Ornamentmotive erinnern. Zwei graubraune Hintergründe wechseln sich ab mit einer scharlachroten Aederung.

Vor der Frau, die wirkt, als ob sie sich gerade umgedreht hätte, um den Neuankömmling anzusehen, steht ein Tisch mit Gegenständen, die darauf ruhen: ein Glas Wasser und ein Glas Wein und einige Bücher. Darüber hinaus eine Reihe von Elementen, die zusammen nach außen hin eine fantastische Gelassenheit demonstrieren und Betty's Persönlichkeit eine beruhigende Dimension verleihen.

Baenziger bringt das verträumte Universum ans Licht, um das Lächeln des Betrachters zu wecken. Dies ist eine geniale Umsetzung der Symbolik zur Beschreibung der menschlichen und tierischen Figur. Der Titel weckt Neugierde.

Die Künstlerin bewegt sich in der Sphäre der figurativen Repräsentation, aber angewandt auf eine zweite Realität. Mit den Acrylfarben gibt es eine erste wirkliche Orientalisierung, phantastische Augenblicke, die in Kombination mit Collage neue Ausdrucksmöglichkeiten schafft. Diese Fragmente sind eine Art zufälliger Realität, dekontextualisiert und in das Kunstwerk eingefügt, rekonfiguriert durch neue Legenden und Beziehungen.

Auf der Leinwand koexistieren verschiedene Elemente, die sich in ein mentales Spiel, einen Winterschlaf der Formen und die innere Schönheit des Menschen übersetzen.

Matisse sagte in Anlehnung an sein Kunstbuch über Jazz, dass Ausschnitte im Herzen der Farbe ihn an die unmittelbare Rauheit der Bildhauer erinnere. Das von Baenziger geschnittene und geklebte Papier hingegen ist eine Synthese des Wunsches, die Vision der Wirklichkeit in Bezug auf die Tradition zu verändern. Dekonstruktionen, um eine andere neue Welt wieder aufzubauen, die durch Farben erschaffen wurde und entworfen wurde, um Glück und Freude ins Leben zu bringen. Um sensible und tiefgründige Themen wie die idyllische Schönheit der Natur zu berühren, ist ihr Werk von lyrischer Poesie durchdrungen. Ihre Malerei betont das Glück der Teilnahme am Leben, unabhängig von der Realität oder nicht: Die Farbe des Werkes ist hell und optimistisch, was dem Charakter der Künstlerin entspricht.

Baenziger stellt kreatives und materielles Denken in den Vordergrund: Man sollte nicht zum Erfolgsmodell, zum Stil oder zur Lebensweise werden, sondern vielmehr versuchen, innere und äussere Welten zu nutzen. Man sagt, dass japanische Künstler im goldenen Zeitalter oft ihren Namen änderten: vielleicht um die Vergänglichkeit des Ego zu bestätigen und die vergängliche Schönheit des Glücks.

 

Daniele Radini Tedeschi, Kunstkritiker und Kurator der Ausstellung «GRAZIE ITALIA» im Palazzo Albrizzi Capello an der 57. ART BIENNALE IN VENEDIG 2017